Universität Bonn

Masterstudiengang AMTS

Zusammenfassung Masterarbeit Imke Bender

Bewertung ausgewählter Apps zur Förderung der Adhärenz aus Patientensicht

Die Adhärenz erfordert ein hohes Maß an Eigeninitiative von Patient*innen innerhalb des Medikationsselbstmanagements, das die eigenverantwortliche Durchführung einer Arzneimitteltherapie beschreibt. Apps zur Förderung der Adhärenz können Patient*innen hierbei auf unterschiedlichen Wegen unterstützen. Die vorliegende Masterarbeit zielt darauf ab, potentiell geeignete Apps aus gängigen App-Stores zu identifizieren sowie deren Nutzen und Benutzerfreundlichkeit für zwei ausgewählte Patientenkollektive genauer zu untersuchen.

Zunächst wurde durch das Studienpersonal eine Auswahl an geeigneten Apps erstellt, indem die App-Stores von Google und Apple durchsucht und die potentiellen Apps auf zehn Einschlusskriterien geprüft wurden. Die Apps sollten eine Einnahmeerinnerungsfunktion besitzen und vor weniger als einem Jahr aktualisiert worden sein. Sie sollten in deutscher Sprache und in beiden App-Stores verfügbar, gleichzeitig jedoch nicht auf bestimmte Arzneimittel, Erkrankungen oder Apotheken beschränkt sein. Es wurden mindestens 20 Bewertungen bei einer durchschnittlichen Bewertung von mindestens 3 Sternen in den App-Stores und bisher keine negativen Bewertungen durch andere Gesundheitsdienstleister*innen gefordert. Zudem war ein Datenschutzkonzept erforderlich und die Nutzung sollte kostenfrei ohne Nutzerkonto möglich sein.

Die App-Auswahl wurde durch zwei verschiedene Patientenkollektive getestet, in denen unterschiedliche Herausforderungen bezüglich Apps zur Förderung der Adhärenz erwartet wurden. Die Bewertung der Apps durch beide Kollektive erfolgte mithilfe der Deutschen Version der Anwenderversion der Mobile Anwendungen Rating Skala (uMARS-G). Patientenkollektiv 1 schloss Patient*innen mit einer Verordnung von Amoxicillin bzw. Amoxicillin / Clavulansäure ein, die über einen Zeitraum von bis zu zwei Wochen begleitend zur Einnahme eine beliebige App testen sollten (Ad Hoc Applikation). Anschließend sollte eine Bewertung mithilfe eines Online-Fragebogens erfolgen.

Patientenkollektiv 2 umfasste multimorbide Patient*innen mit fünf oder mehr Dauerarzneimitteln, die die Zugänglichkeit der Apps durch die erstmalige Installation und Einrichtung einer App der Auswahl im Rahmen eines Interviews überprüfte (chronische Applikation).

Im Rahmen der Masterarbeit wurden aus 80 Apps drei geeignete Apps zur Förderung der Adhärenz identifiziert und durch jeweils 6 Patient*innen aus beiden Patientenkollektiven in der Gesamtqualität mithilfe der uMARS-G (Sektion A-E) bewertet. Die „Digitale Hausapotheke“ erreichte 3,96 Punkte (SD = 0,01), „TOM Medikamentenmanager“ 3,68 Punkte (SD = 0,45) und „Mediteo“ 3,29 Punkte (SD = 1,07) von 5 möglichen Punkten. „TOM Medikamentenmanager“ konnte im Durchschnitt durch die Patient*innen aus Kollektiv 2 am eigenständigsten, schnellsten und einfachsten verwendet werden.

Die Untersuchung von Apps stellt eine besondere Herausforderung dar. Definierte Ein- und Ausschlusskriterien können selbst hohe Trefferzahlen bis zur Identifizierung einer geeigneten Auswahl an Apps signifikant reduzieren. Zudem wird die Qualität von Apps durch ständige Aktualisierungen beeinflusst. Die Bewertung der App-Qualität ermöglicht somit nur eine Momentaufnahme und ist mithilfe der uMARS-G in Teilen subjektiv. Dennoch stellte die uMARS-G zum Zeitpunkt der Datenerhebung eines der wenigen geeigneten, übersetzten und validierten Erhebungsinstrumente dar. Zudem wurde die Relevanz für die Erhebung weiterer Parameter deutlich. Dazu zählen soziodemografische Daten der Nutzer*innen sowie Gründe für bzw. gegen die Verwendung einer App. Diese Gründe sind wiederum vom Bedarf an einer App zur Förderung der Adhärenz, deren Funktionsfähigkeit und Benutzerfreundlichkeit abhängig.

Derzeit sind insgesamt nur wenige Publikationen zu mHealth-Apps verfügbar. Unabhängig von App-Anbietern erhobene Daten liefern jedoch wertvolle Informationen zum Nutzen solcher Apps. An dieser Stelle lässt sich ein beträchtliches Forschungspotenzial feststellen. Die Resultate der Masterarbeit stellen lediglich einen marginalen Beitrag dar. Je nach Kontext einer Studie können unterschiedliche Erhebungsinstrumente erforderlich sein, von denen derzeit nur eine geringe Anzahl validiert und übersetzt ist. Die Entwicklung und Übersetzung solcher Tools sollte ebenfalls in zukünftigen Forschungsvorhaben berücksichtigt werden.

Wird geladen